Lehrplan
Kurs: Modul 6: Stressmanagement und Burnout-Pr...
Anmeldung
Textlektion

Lektion 3: Praktische Anwendung und Trainingsaktivitäten

Praktische Anwendung und Trainingsaktivitäten

Dieser Abschnitt überträgt die theoretischen Konzepte auf konkrete Anwendungssituationen in der Pflege. Im Mittelpunkt stehen das frühzeitige Erkennen von Überlastung, die Analyse von Belastungsmustern, die Stärkung der Emotionsregulation und die Anwendung realistischer Präventionsstrategien im Arbeitsalltag.

Die Teilnehmenden werden dazu angeregt, die Aktivitäten mit ihren eigenen Erfahrungen und Bedingungen im Pflegealltag zu verknüpfen.

1. Fallstudie: Analyse einer überlasteten Schicht

Durchführung

Dauer: 10–15 Minuten

Format: Einzelreflexion mit anschließender Diskussion in Kleingruppen

Materialien: ausgedruckte Arbeitsblätter, Flipchart-Papier, Stifte oder digitale Tools zur Zusammenarbeit

Rolle der Trainerin bzw. des Trainers: Diskussion anleiten, Reflexion fördern und die Ergebnisse mit der beruflichen Praxis verknüpfen

Nachbesprechung: strukturierte Diskussion mit Fokus auf Lernerkenntnissen, organisationalen Konsequenzen und praktischen Anwendungsmöglichkeiten

Erwartetes Ergebnis: Die Teilnehmenden identifizieren konkrete Strategien, die sich auf das eigene Arbeitsumfeld übertragen lassen.

 

Szenario

Auf einer Krankenhausstation steht während einer Abendschicht weniger Personal als üblich zur Verfügung. Die Pflegebeschäftigten sind für mehr Patientinnen und Patienten als gewöhnlich verantwortlich und müssen gleichzeitig Medikamentengaben, Dokumentation, Neuaufnahmen und die Kommunikation mit Angehörigen bewältigen. Pausen fallen aus, Übergaben erfolgen zunehmend unter Zeitdruck und die Beschäftigten berichten von wachsender Ermüdung und Reizbarkeit.

Aufgabe

Die Teilnehmenden identifizieren:

        zentrale Arbeitsanforderungen in der Pflege,

        fehlende Arbeitsressourcen,

        emotionale Belastungsfaktoren,

        Risiken für die Patientensicherheit

        sowie organisationale Faktoren, die zur Überlastung beitragen.

Leitfragen

        Wo besteht ein Ungleichgewicht bei der Arbeitsbelastung?

        Welche Belastungsfaktoren sind vorhersehbar?

        Welche Ressourcen fehlen?

        Welche organisationalen Anpassungen könnten die Überlastung verringern?

Lernschwerpunkt

Verstehen, wie die Gestaltung der Arbeitsbelastung Stress, Ermüdung, Kommunikation und Patientensicherheit beeinflusst.

2. Belastungsprofil einer Schicht und Übung zur Belastungsanalyse

Dauer

15 Minuten Einzelarbeit + 10 Minuten Gruppendiskussion

Materialien

Die Teilnehmenden erhalten eine vorbereitete Vorlage für ein Belastungsprofil der Schicht (Shift Heatmap), die in folgende Abschnitte gegliedert ist:

        Schichtbeginn

        Medikamentengaben

        Arbeitsbelastung in der Schichtmitte

        Übergabezeiten

        Schichtende

Aufgabe

Die Teilnehmenden erfassen:

        Phasen hoher Belastung während der Schicht,

        emotionale Auslöser,

        Unterbrechungen,

        Situationen mit Multitasking,

        nicht genutzte Erholungsmöglichkeiten

        sowie Zeitpunkte, an denen eine strukturierte Meldung von Überlastung erforderlich sein könnte.

Hinweise für Trainerinnen und Trainer

Bitten Sie die Teilnehmenden, sich auf eine konkrete Schichterfahrung aus dem vergangenen Monat zu beziehen. Regen Sie sie dazu an, sowohl individuelle Belastungsfaktoren als auch systembezogene Faktoren zu identifizieren, beispielsweise die Personalausstattung, Probleme in den Arbeitsabläufen, Kommunikationsschwierigkeiten oder die Verteilung der Arbeitsbelastung.

Leitfragen

        Wann erreicht die Belastung typischerweise ihren Höhepunkt?

        Welche Aufgaben verursachen die höchste kognitive Belastung?

        Welche Belastungsfaktoren sind systembedingt?

        Wo könnten realistisch kurze Erholungsmomente eingeplant werden?

Lernschwerpunkt

Erkennen von Mustern der Stressakkumulation im Pflegealltag.

Erwartetes Ergebnis

Die Teilnehmenden identifizieren zentrale Belastungspunkte während einer typischen Schicht, erkennen Erholungsmöglichkeiten und entwickeln ein stärkeres Bewusstsein dafür, wie Arbeitsbelastung, Arbeitsabläufe und organisationale Faktoren zur Anhäufung von Stress beitragen.

3. Übung zur Kurzzeiterholung und emotionalen Entlastung

Aufgabe

Die Teilnehmenden üben vier kurze Erholungstechniken, die sich im Arbeitsalltag des Gesundheitswesens einsetzen lassen.

Kurze Atemübung

Eine 30- bis 60-sekündige Atemübung mit vier Sekunden Einatmen und sechs Sekunden Ausatmen, um die körperliche Stressaktivierung zu reduzieren.

Grounding-Technik

Die Teilnehmenden identifizieren:

• drei Dinge, die sie sehen können

• zwei Dinge, die sie hören können

• eine Sache, die sie fühlen können

Dadurch wird die Aufmerksamkeit neu ausgerichtet und emotionale Überlastung reduziert.

Gefühle benennen

Die Teilnehmenden nehmen ihren aktuellen emotionalen Zustand kurz wahr und benennen ihn – beispielsweise Frustration, Traurigkeit, Angst oder Überforderung –, bevor sie mit ihren Aufgaben in der Versorgung fortfahren.

 

Kognitive Entlastung

Die Teilnehmenden notieren offene Gedanken, Sorgen oder nicht dringliche Aufgaben, um die mentale Belastung zu verringern und die Konzentration zu verbessern.

Erwartetes Ergebnis

Die Teilnehmenden erproben realistische Erholungsstrategien, die sich während belastender Schichten im Gesundheitswesen anwenden lassen, ohne die Arbeitsabläufe zu beeinträchtigen.