Beispielszenarien
● Eine angehörige Person fordert während der Medikamentengabe sofortige Aufmerksamkeit.
● Eine Pflegefachperson wird aufgefordert, eine zusätzliche Arbeitsbelastung zu übernehmen, die nicht mehr sicher bewältigt werden kann.
● Eine beschäftigte Person zögert, Bedenken wegen Ermüdung oder Überlastung über die vorgesehenen Meldewege weiterzugeben.
Strukturierte Weitergabe von Überlastung mithilfe des SBAR-Modells
Die Teilnehmenden üben, Bedenken hinsichtlich der Arbeitsbelastung mithilfe des SBAR-Modells strukturiert zu kommunizieren.
Situation
Die Station ist derzeit personell unterbesetzt.
Hintergrund
Zwei Beschäftigte fehlen und die Zahl der Neuaufnahmen ist gestiegen.
Einschätzung
Die aktuelle Arbeitsbelastung überschreitet die Kapazitäten für eine sichere Versorgung.
Empfehlung
Um die Patientensicherheit aufrechtzuerhalten, sind zusätzliche Unterstützung oder eine Umverteilung der Arbeitsbelastung erforderlich.
Das SBAR-Modell bietet eine strukturierte und fachlich anerkannte Methode, um Bedenken an die zuständigen Stellen weiterzugeben und zugleich psychologische Sicherheit sowie wirksame Kommunikation zu fördern.
Aufgabe
Die Teilnehmenden üben eine strukturierte Kommunikation zur professionellen Grenzsetzung und zur Weitergabe von Überlastung.
Beispielformulierungen
● „Ich muss diese Medikamentengabe zunächst sicher abschließen und komme danach so bald wie möglich zu Ihnen.“
● „Die aktuelle Arbeitsbelastung stellt ein Risiko für die Patientensicherheit dar und muss an die zuständige Stelle weitergegeben werden.“
Lernschwerpunkt
Stärkung der Kommunikationssicherheit, der psychologischen Sicherheit und eines angemessenen Vorgehens bei der Meldung unsicherer Arbeitsbedingungen.
Diese Fallvignette veranschaulicht, wie sich Burnout im Pflegekontext durch das Zusammenspiel von hohem Arbeitsdruck, emotionaler Arbeit, unzureichender Personalausstattung und mangelnden Erholungsmöglichkeiten schrittweise entwickelt.
Eine geriatrische Station ist dauerhaft einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Die Komplexität der Versorgung nimmt zu, während es aufgrund von Krankheitsausfällen und unbesetzten Stellen immer häufiger zu Personalengpässen kommt. Pflegefachpersonen und Pflegeassistenzkräfte kompensieren dies durch Überstunden, ausgelassene Pausen und eine fortlaufende Umverteilung von Aufgaben.
Zunächst kann die Versorgung durch hohen persönlichen Einsatz und gute Teamarbeit aufrechterhalten werden. Mit der Zeit nehmen jedoch die emotionale Belastung und die Ermüdung zu.
Zu den zentralen Entwicklungen gehören:
● eine steigende Zahl von Patientinnen und Patienten pro beschäftigter Person,
● zunehmende Dokumentationsanforderungen,
● höhere emotionale Anforderungen,
● häufigere Unterbrechungen
● sowie anhaltender Zeitdruck.
Mit der zunehmenden Arbeitsbelastung nehmen die Erholungsmöglichkeiten der Beschäftigten ab.
Bei den Beschäftigten zeigen sich zunehmend:
● Ermüdung,
● Reizbarkeit,
● abnehmende kollegiale Unterstützung,
● das emotionale Nachwirken belastender Situationen nach dem Dienst
● sowie Schwierigkeiten, nach der Arbeit abzuschalten.
Die Belastung ist nicht mehr vorübergehend, sondern wird chronisch.
Betriebliche Ineffizienzen nehmen zu:
● Übergaben erfolgen unter Zeitdruck,
● Dokumentationen bleiben unvollständig,
● es kommt zu Kommunikationsproblemen,
● die Aufgabenverteilung ist unklar
● und Überlastung wird erst verspätet an die zuständigen Stellen gemeldet.
Moralischer Stress entsteht, weil die Pflegebeschäftigten das Gefühl haben, nicht mehr die Versorgungsqualität leisten zu können, die ihrem professionellen Anspruch entspricht.
Burnout-bezogene Symptome werden sichtbar:
● emotionale Erschöpfung,
● Zynismus,
● emotionale Distanzierung,
● verminderte Empathie,
● Fehlzeiten,
● geringeres Engagement
● sowie eine verminderte berufliche Leistungsfähigkeit.
Diese Folgen sind als vorhersehbare Konsequenzen eines anhaltenden Ungleichgewichts zwischen Arbeitsanforderungen und verfügbaren organisationalen Ressourcen zu verstehen – nicht als individuelle Schwäche oder persönliches Versagen.
Dauer
10–15 Minuten Einzelanalyse mit anschließender 10-minütiger Gruppendiskussion.
Aufgabe
Nach der Lektüre der Fallvignette arbeiten die Teilnehmenden einzeln oder in Kleingruppen und identifizieren:
● drei Arbeitsanforderungen, die zu Stress und Burnout beitragen,
● drei fehlende Arbeitsressourcen oder Unterstützungsmechanismen,
● zwei potenzielle Risiken für die Patientensicherheit, die sich aus der Situation ergeben,
● eine geeignete Maßnahme, mit der Beschäftigte oder Führungskräfte die Situation an die zuständige Stelle weitergeben können.
Nachbesprechung durch die Trainerinnen und Trainer
Die Trainerinnen und Trainer leiten eine Diskussion darüber an, wie Arbeitsbelastung, Personalausstattung, Kommunikation und Erholungsmöglichkeiten zusammenwirken und das Wohlbefinden der Beschäftigten sowie die Patientensicherheit beeinflussen.
Mögliche Diskussionsfragen:
● Welche Faktoren haben am stärksten zur Entwicklung des Burnouts beigetragen?
● In welcher Phase wäre eine Intervention am wirksamsten gewesen?
● Welche Ressourcen hätten eine weitere Zuspitzung der Situation realistisch verhindern können?
● Wie hätten die Bedenken kommuniziert und an die zuständigen Stellen weitergegeben werden sollen?
Lernschwerpunkt
Burnout als vorhersehbare Folge eines anhaltenden Ungleichgewichts zwischen Arbeitsanforderungen und verfügbaren Ressourcen verstehen – und nicht als individuelles Versagen bei der Stressbewältigung.
Erwartetes Ergebnis
Die Teilnehmenden können die frühe Entwicklung eines Burnouts erkennen, organisationale und individuelle Risikofaktoren identifizieren, Auswirkungen auf die Patientensicherheit einschätzen und geeignete Präventionsmaßnahmen sowie Schritte zur strukturierten Weitergabe von Überlastung vorschlagen.
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