Während der Pilotsitzungen werden die Lernergebnisse durch ein gemischtes (Blended) Portfolio praktischer Methoden beurteilt. Jede Methode legt fest, welche Aktivität die Teilnehmenden absolvieren, welche Nachweise eine Trainerin oder ein Trainer für das Micro-Credential-Portfolio sammelt und welchem Lernergebnis diese zugeordnet sind.
|
Beurteilungsmethode |
Was Teilnehmende tun |
Gesammelte Nachweise |
Verknüpftes Ergebnis |
|
Multiple-Choice- Wissensüberprüfung |
Ausfüllen einer Multiple-Choice- Beurteilung zu den Themen psychologische Sicherheit, Kommunikation unter Druck, kollegiale Unterstützung (Peer Support), Hierarchie/Konflikt und Nachbesprechung (Debriefing). |
Ausgefüllter Multiple- Choice-Antwortbogen und Bestehensergebnis. |
Wissensbereich; konzeptionelle Basis für LO 1-4 |
|
Simulation des psychologischen Sicherheits-Check-ins |
Rollenspiel in Dreiergruppen (Triade): Ein Bedenken wird geäußert, die Reaktion darauf geübt und ein Beobachter gibt Feedback. |
Beobachtungsnotizen basierend auf den aufgelisteten Fragen, Feedback von Kollegen, kurze Reflexion. |
Fähigkeiten; LO 1, 3 und 4. |
|
Praxis einer 5-minütigen strukturierten Team-Nachbesprechung |
Leiten oder Teilnehmen an einer auf drei Fragen basierenden Nachbesprechung (Debriefing) nach einem anspruchsvollen Ereignis. |
Ausgefüllte Notizen zur Drei-Fragen-Nachbesprechung und kurzes Feedback von Kollegen. |
Fähigkeiten und Kompetenz; LO 2. |
|
Konzeption & Praxis des Buddy-Check-ins |
Konzipieren und Einstudieren einer Buddy-Routine für das eigene Arbeitsumfeld, einschließlich Zeitplanung, Impulsfragen, Grenzen und Eskalationsstufen. |
Impulsfragen für den Check-in, ausgewählte Routine, Grenzen und Notizen zum Praxistransfer. |
Kompetenz; LO 5. |
|
Szenario-Fallanalyse |
Analysieren eines Falls auf Kommunikationsfehler, Hierarchieeffekte, versäumtes Äußern von Bedenken (Speaking-up), Rollenambiguität und Mikro-Interventionen. |
Schriftliche Fallnotizen oder Gruppennotizen mit Risiken, Systemfaktoren und Präventionsstrategien. |
Kompetenz; LO 1, 3 und 4. |
|
Reflexion der Folgeaktivität (4-8 Wochen) |
Eine Strategie zweimal in der Praxis anwenden und die Machbarkeit, die Reaktion des Teams sowie die Auswirkungen reflektieren. |
Portfolio-Eintrag unter Verwendung der Leitfragen zur Folge-Reflexion. |
Transfer und Kompetenz; LO 1, 2, 3 und 5. |
Ziel: Die Teilnehmenden üben Verhaltensweisen, die die psychologische Sicherheit fördern (z. B. das Einholen von Feedback/Beiträgen, das Eingestehen von Unsicherheiten, die konstruktive Reaktion auf Bedenken).
Zeit: 15–20 Min.
Form: Kleingruppen von 3 Personen (Sprecher, Reagierender, Beobachter)
Methode: Rollenspiel mit strukturiertem Verhaltensfeedback
Materialien: Kurzer Szenario-Impuls basierend auf den in dieser Übung bereitgestellten Beispielen; unten aufgeführte Beobachterfragen.
Ablauf:
Schritt 1: Ein kurzes Szenario unter hohem Druck vorgeben (z. B. unklare Medikamentenanordnung, Uneinigkeit über den Entlassungszeitpunkt).
Schritt 2: Ein Teilnehmender spielt ein Teammitglied, das ein Bedenken äußert.
Schritt 3: Der zweite Teilnehmende reagiert darauf.
Schritt 4: Der Dritte beobachtet anhand der folgenden Beobachterfragen:
Schritt 5: Rollenwechsel nach 5–7 Minuten.
Schritt 6: Kurze Reflexion in der Gruppe:
Ziel: Die Teilnehmenden lernen, nach einem Ereignis unter hohem Druck eine kurze, strukturierte Nachbesprechung (Debriefing) einzuleiten und durchzuführen.
Zeit: 15–20 Min.
Form: Gruppen von 4–6 Teilnehmenden
Methode: Geleitete Simulation einer Team-Reflexion nach einem Ereignis
Materialien: Struktur für eine Drei-Fragen-Nachbesprechung; falls vorhanden, ein gemeinsames Dokument für Notizen.
Ablauf:
Schritt 1: Ein kurzes Szenario vorgeben (z. B. Notaufnahme, schwierige Interaktion mit einem Patienten, interne Fehlkommunikation).
Schritt 2: Ein Teilnehmender leitet eine 5-minütige Nachbesprechung anhand der Drei-Fragen-Struktur:
Schritt 3: Die Gruppenmitglieder tragen jeweils kurz etwas bei (je 1–2 Sätze).
Schritt 4: Der Moderator achtet auf das Zeitmanagement und die Einhaltung der Struktur.
Schritt 5: Reflektieren:
Ziel: Die Teilnehmenden konzipieren und einstudieren eine realistische Routine für einen kollegialen Unterstützung-Check-in (Peer Support) an ihrem Arbeitsplatz.
Zeit: 20 Min.
Form: Zweiergruppen (Dyaden)
Methode: Kollegiales Coaching mit geleiteten Impulsfragen
Materialien: Unten aufgeführte Impulsfragen für den Buddy-Check-in; Notizen zu Häufigkeit, Vertraulichkeitsgrenzen und Praxistransfer.
Ablauf:
Schritt 1: Die Teilnehmenden finden sich in Paaren zusammen und gehen die unten aufgeführten Impulsfragen für den Buddy-Check-in durch.
Schritt 2: Jede Person übt ein 3-minütiges Check-in-Gespräch unter Verwendung von Impulsfragen wie:
Schritt 3: Rollenwechsel nach 3 Minuten.
Schritt 4: Die Paare besprechen:
Schritt 5: Jeder Teilnehmende legt eine realistische Häufigkeit fest (z. B. einmal pro Woche, am Ende der Schicht).
Beispiel-Szenario:
Ein chirurgisches Team führt den letzten Eingriff eines langen OP-Plans durch. Es ist 17:30 Uhr. Zum Team gehören ein leitender Chirurg, ein Anästhesist, zwei Instrumentierpflegekräfte (Scrub Nurses) und eine Springer-Pflegekraft (Circulating Nurse). Der Zeitplan ist verzögert, und alle sind sich bewusst, dass zwei Teammitglieder kurz davor sind, die Überstundengrenze zu überschreiten.
Bei der abschließenden Zählung der Instrumente zögert die Instrumentierpflegekraft. Die Zählung scheint korrekt zu sein, aber sie hat das unbestimmte Gefühl, dass eine kleine Kompresse fehlen könnte. Die Atmosphäre im Raum ist angespannt. Der Chirurg hat bereits im Laufe des Tages seinen Frust über die Verzögerung geäußert.
Als die Pflegekraft sagt: „Können wir das bitte einfach noch einmal überprüfen?“, antwortet der Chirurg:
„Wir haben es doch bereits bestätigt. Lassen Sie uns das nicht unnötig in die Länge ziehen.“
Der Anästhesist blickt auf die Uhr, bleibt aber stumm. Die Springer-Pflegekraft sieht unsicher aus, greift jedoch nicht ein.
Der Eingriff wird beendet.
Später wird bei einer routinemäßigen postoperativen Bildgebung eine verbliebene Kompresse festgestellt. Der Patient benötigt einen zweiten Eingriff. Eine interne Überprüfung stuft den Vorfall als „Prozessabweichung unter Zeitdruck“ ein. Informell führen die Teammitglieder das Ereignis auf Erschöpfung und Kommunikationsdefizite zurück.
Es findet keine strukturierte Nachbesprechung (Debriefing) statt. In den folgenden Wochen wird die Instrumentierpflegekraft im OP spürbar ruhiger. Sie beschränkt ihre Beiträge auf das absolut Notwendige. Der Chirurg betont weiterhin Effizienz und Durchsatz.
Das Ereignis wird zwar administrativ, aber nicht auf zwischenmenschlicher Ebene aufgearbeitet.
Diskussion:
Systemische Perspektive
Führung und psychologische Sicherheit
Langfristige Auswirkungen auf das Team
Ziel: Eine Kommunikations- oder Peer-Support-Strategie aus dem Workshop in Ihrer täglichen beruflichen Praxis anzuwenden.
Schritt 1 – Eine Strategie auswählen
Wählen Sie eine Praxis aus dem Workshop aus, die Sie in Ihrem Arbeitsumfeld testen möchten.Beispiele: Verwenden Sie eine Klärungsschleife; laden Sie zur Mitwirkung ein, indem Sie fragen: „Sieht jemand etwas, das mir entgangen sein könnte?“; initiieren Sie einen kurzen Check-in nach einer anstrengenden Schicht oder einem Ereignis; schlagen Sie eine kurze informelle Nachbesprechung nach einer stressigen Situation vor.Wählen Sie eine Strategie, die realistisch in Ihrem Arbeitsumfeld umsetzbar ist.
Schritt 2 – In der Praxis anwenden
Nutzen Sie diese Strategie in den nächsten zwei Wochen ganz bewusst mindestens zweimal in Ihrer täglichen Arbeit.
Konzentrieren Sie sich dabei auf Situationen wie hohe Arbeitsbelastung oder Zeitdruck, unklare Kommunikation bei der Patientenversorgung, ein stressiges oder emotional belastendes Ereignis oder Momente, in denen Teammitglieder überfordert wirken.
Halten Sie die Intervention kurz und natürlich.
Schritt 3 – Über die Erfahrung reflektieren
Nachdem Sie die Strategie ausprobiert haben, nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um darüber nachzudenken: In welcher Situation habe ich die Strategie angewendet? Wie haben die Kolleginnen und Kollegen darauf reagiert? Hat sie die Klarheit, Unterstützung oder die Teaminteraktion verbessert? Was hat sich leicht oder schwierig angefühlt? Würde ich diese Strategie wieder verwenden?Vielleicht möchten Sie zwei oder drei wichtige Beobachtungen aufschreiben.
Schritt 4 – Persönliche Erkenntnis (Takeaway)
Identifizieren Sie eine Kommunikations- oder Peer-Support-Praktik, die Sie dauerhaft in Ihren beruflichen Alltag integrieren möchten.
Selbst kleine Veränderungen in der täglichen Interaktion können das Vertrauen im Team, die psychologische Sicherheit und das berufliche Wohlbefinden im Laufe der Zeit nachhaltig stärken.
Ablaufplan der Sitzung basierend auf den Zeitangaben des Moduls:
Die folgende Tabelle zeigt den chronologischen Ablauf des Workshops. Dies sollte nicht mit der obigen „Assessment Method Map“ verwechselt werden, welche die Prüfungsnachweise und die Ausrichtung auf die Lernergebnisse dokumentiert.
|
Dauer |
Modulkomponente |
|
5 Min. |
Eröffnung und Rahmung |
|
10 Min. |
Kompakter theoretischer Input inkl. Einstiegs-Video |
|
15–20 Min. |
Simulation des psychologischen Sicherheits-Check-ins |
|
15–20 Min. |
Praxis einer 5-minütigen strukturierten Team-Nachbesprechung |
|
20 Min. |
Konzeption & Praxis des Buddy-Check-ins |
|
20 Min. |
Szenario-Übung inkl. kollegialer Reflexion |
|
15 Min. |
Leistungsüberprüfung und Planung des Transfers/der Folgeaktivitäten |
|
100–110 Min. |
Gesamtdauer (variiert je nachdem, ob die zwei 15–20-minütigen Übungen in der kürzeren oder längeren Version durchgeführt werden) |
Optionale Aufteilung in zwei Sitzungen:
Sitzung 1 (ca. 50–55 Min.): Eröffnung, Input, psychologischer Sicherheits-Check-in und Nachbesprechungs-Praxis.
Sitzung 2 (ca. 50–55 Min.): Buddy-Check-in, Szenario-Übung, Leistungsüberprüfung und Planung des Transfers/der Folgeaktivitäten.
· Format: Interaktiver Workshop, der didaktische Inhalte, Fallanalysen, Selbstreflexion und Videos kombiniert.
· Materialien: Link zum Einführungs-Video; Moduldokument oder Notizen für die Seminarleitung; kurze Szenario-Impulse basierend auf den in den Übungen bereitgestellten Beispielen; Beobachterfragen für psychologisch sichere Kommunikation; Struktur für die Drei-Fragen-Nachbesprechung; Impulsfragen für den Buddy-Check-in; Text der Szenario-Übung; Multiple-Choice-Wissensüberprüfung; Liste der Portfolio-Nachweise; Impulsfragen für die Folge-Reflexion; Timer oder Uhr sowie ein Flipchart, Whiteboard oder ein gemeinsames digitales Dokument für die Zusammenfassung in der Gruppe.
· Integration der Folgeaktivitäten: Die Teilnehmenden wählen eine strukturierte Kommunikations- oder Peer-Support-Strategie aus dem Workshop aus, wenden diese mindestens zweimal an ihrem Arbeitsplatz an und füllen nach 4–8 Wochen eine Reflexion anhand der im Abschnitt „Folgeaktivitäten“ bereitgestellten Fragen aus. Der Portfolio-Eintrag dokumentiert die Situation, die angewendete Strategie, die beobachtete Reaktion des Teams, die wahrgenommenen Auswirkungen auf Klarheit, Unterstützung und psychologische Sicherheit, aufgetretene Barrieren sowie eine Praktik, die der Teilnehmende weiterführen möchte. Es sind keine zusätzlichen, separaten Vorlagen erforderlich.